Das letzte Hemd

Jetzt geht es um das „letzte Hemd“

Es sind einfach nur alte weiße Hemden oder T-Shirts mit der Aufschrift „Das letzte Hemd“, die mittlerweile an vielen Ortseingangsschildern in Schleswig-Holstein und den östlich angrenzenden Bundesländern angebracht wurden. Die Bilder davon kursieren bereits in den sozialen Netzwerken, auch ein Video gibt es dazu, offenbar von den Initiatoren dieser Aktion, einem Zusammenschluss mit dem Namen „Schleswig-Holstein steht auf“. Im Video sind Bilder von zig Ortschildern in allen möglichen Bundesländern zu sehen und ein Protestlied ist zu hören, dass Deutschland auffordert, jetzt sein letztes Hemd aufzuhängen Die Botschaft ist eindeutig, sie richtet sich gegen die Politik der Bundesregierung. Das letzte Hemd ist das Zeichen eines wachsenden bürgerlichen Unmuts, denn wenn einem das letzte Hemd genommen wird, dann hat man gar nichts mehr. So ist mittlerweile offenbar das Gefühl in großen Teilen der deutschen Gesellschaft.

Doch bei den Ordnungsinstitutionen in den Bundesländern liegen die Nerven blank. Zu dieser völlig harmlosen und stillen Aktion, mit der niemanden in irgendeiner Weise geschadet wird, die ziemlich still verläuft und mit diesem Hemd eigentlich alles sagt, was für notwendig erachtet wird, ermittelt der Staatsschutz. Dies vermelden der Norddeutsche Rundfunk und diverse Printmedien. Hintergrund der Ermittlungen, so sagt es ein Polizeisprecher im angehängten Video, könne ja politisch motivierte Kriminalität sein. In Brandenburg und Sachsen wird eine mögliche strafrechtliche Relevanz geprüft, bislang allerdings nur mit dem Ergebnis, dass diese letzten Hemden an Verkehrsschildern angebracht keinesfalls die Verkehrssicherheit beeinträchtigen dürfen.

Eindeutig dürfte sein, dass diese eigentlich recht originelle gewaltlose Aktion eher aus den rechten Teilen des politischen Spektrums kommt, was deshalb aber nicht grundsätzlich schlecht sein muss. Mit dieser stummen und friedlichen Aktion – eine ähnliche hatten die Bauern bei ihren Protesten mit aufgehängten Gummistiefeln initiiert – erregt man Aufmerksamkeit, und das ist in einem freiheitlich demokratischen Land nicht verboten. Ob man mit den Hemden ein ganzes System unterwandern kann, das ist doch schon sehr fraglich. Eigentlich sollten vielleicht auch die in DVG vereinten Opfer einer staatlichen Abzocke so langsam ihre letzten Hemden an die Straßenschilder hängen, um auch für sich ein Zeichen zu setzen.

Michael Rahnefeld

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Verwandte Beiträge

Die Gesundheitsreform – groß gedacht, aber wieder nur auf dem Rücken von Arbeitnehmer und Rentnern ausgetragen

Gibt es eine stille Revolution?

Die gesetzliche Rente ist keine Sozialleistung