Skip to main content

SPD will Rentner dreifach verbeitragen

SPD startet Prozess für neues Grundsatzprogramm FAZ.Net 2

Text: Vorunruhestand    Bild: FAZ.net

 

SPD will Rentner dreifach verbeitragen

Erst die Rente, dann die Betriebsrente und nun das Ersparte: Die SPD plant den totalen Zugriff auf Rentnereinkünfte. Eigenvorsorge wird zum absoluten Minusgeschäft.

Hand aufs Herz: Fühlen Sie sich als Rentner auch wie eine Zitrone, die eine SPD immer noch ein bisschen weiter ausquetschen kann? Wenn es nach deren Spitze geht, ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht.

Was bisher als „Solidarität“ verkauft wurde, mutiert langsam zur reinen Bestrafung für jeden, der eigenverantwortlich vorgesorgt hat. Es reicht offenbar nicht, dass viele von uns bereits doppelt zur Kasse gebeten werden – auf die gesetzliche Rente und die mühsam angesparte Betriebsrente, auf die wir den Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil in die Sozialkasse zahlen.

Der neue Plan: Zugriff aufs Ersparte

Nun greift die SPD-Co-Chefin Bärbel Bas tief in die Trickkiste der Umverteilung: Auch Kapitalerträge sollen künftig mit Krankenkassenbeiträgen belastet werden. Also genau die Zinsen und Dividenden sollen auch verbeitragt werden, die eigentlich dazu gedacht waren, die Versorgungslücken zu schließen, die die Politik mit der Vollverbeitragung der Betriebsrenten gerissen hat. „Das macht mich fassungslos“, sagte JU-Chef Johannes Winkel gegenüber „Table.Briefings“. Der Vertrauensverlust in die Rente sei in der jungen Generation derart groß, dass sie selber angefangen habe vorzusorgen; nun wolle die SPD „ausgerechnet diese Menschen mit neuen Steuern und Abgaben belasten“. Die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Simone Borchardt (CDU), sagte der „Augsburger Allgemeinen“: „Der Vorschlag wäre ein fatales Zeichen und ein Blankoscheck für ein ‚Weiter so‘, welches wir uns nicht mehr leisten können.“ Leistungsanreize und Investitionskraft dürften nicht untergraben werden.

Warum das ein Schlag ins Gesicht ist:

  • Bestrafung der Fleißigen: Wer spart, statt alles zu verpulvern, wird „geschröpft“.
  • Ideen-Klau bei den Grünen: Was Robert Habeck im Wahlkampf forderte, wird nun zum SPD-Standard.
  • Strukturen statt Reformen: Statt das teure Gesundheitssystem effizienter zu machen, stopft man Löcher mit dem Geld der Kleinanleger.

Ganz aktuell (Stand Februar 2026) hat die SPD das Thema durch eine neue Beschlussvorlage des Parteivorstands wieder massiv auf die Agenda gesetzt. Es handelt sich um einen Vorstoß zur Neuordnung der Sozialfinanzen, der am 8. und 9. Februar 2026 bei einer Vorstandsklausur verabschiedet wurde.

Überblick über die aktuellen Pläne:

  1. Das Kernkonzept: „Einbezug aller Einkommensarten“

Die SPD möchte die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und der Pflegeversicherung auf eine breitere Basis stellen. Anstatt nur das Arbeitseinkommen (Löhne/Gehälter) zu belasten, sollen künftig alle Einkommensarten herangezogen werden. Dazu gehören explizit:

  • Kapitalerträge (Zinsen, Dividenden, Kursgewinne)
  • Mieteinkünfte

Das Ziel: Die klassischen Lohnnebenkosten sollen dadurch gesenkt werden, um die „arbeitende Mitte“ zu entlasten. Die SPD argumentiert, dass Kapital- und Mieterträge einen immer größeren Anteil am Volkseinkommen ausmachen und bisher ungerechtfertigt privilegiert seien.

  1. Was sich ändern würde

Bisher gilt: Nur freiwillig Versicherte in der GKV müssen Beiträge auf ihre Gesamteinnahmen inklusive Kapitalerträge zahlen – und auch das nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze (2026: 69.750 € jährlich).

  • Für Pflichtversicherte (normale Rentner) sind Kapitalerträge bisher beitragsfrei.
  • Der neue Plan: Auch Pflichtversicherte sollen auf diese Erträge Beiträge leisten, was faktisch einer deutlichen Mehrbelastung für Sparer und Immobilienbesitzer gleichkommt.
  1. Der politische Kontext: Schritt zur Bürgerversicherung

Beobachter und auch Koalitionspartner werten diesen Vorstoß als klaren Schritt in Richtung der von der SPD lang geforderten Bürgerversicherung.

  • Unterstützung: Die Grünen begrüßen den Plan, da er sich mit ihren eigenen Konzepten deckt.
  • Ablehnung: Die Union (CDU/CSU) unter Bundeskanzler Friedrich Merz lehnt das Vorhaben strikt ab. Unionspolitiker kritisieren es als „fatalen Zugriff auf das Ersparte“ und als Bestrafung privater Vorsorge. Auch die Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat sich bereits distanziert.

Ausblick

Da die Union als größerer Partner massiv mauert, ist eine Umsetzung in der aktuellen Legislaturperiode unwahrscheinlich. Es zeigt jedoch deutlich, dass die SPD die „Systemfrage“ bei der Krankenversicherung wieder voll in den Fokus rückt.

Was kommt als Nächstes? Krankenkassenbeiträge auf den Wertzuwachs des eigenen kleinen Heims? Es ist Zeit, dass die Generation der „Ruheständler“ laut wird, bevor die private Vorsorge endgültig zur reinen Spende für das Staatsbudget verkommt.

„Zukunftsauftakt“ der SPD?

In der Vorstandsklausur der SPD zeichnet sich eine programmatische Neuausrichtung ab, die vor allem auf eine umfassende Reform der Sozialsysteme und den Startschuss für ein neues Grundsatzprogramm abzielt.

Die Beschlussvorlage zum Grundsatzprogramm trägt den Charakter eines „Zukunftsauftakts“ und enthält folgende Kernpunkte:

Umbau der Gesundheits- und Pflegefinanzierung

Das zentral diskutierte Element der Beschlussvorlage ist die Forderung nach einer Gesundheitsabgabe auf alle Einkommensarten.

  • Ausweitung: Neben dem Arbeitseinkommen sollen künftig auch Kapitalerträge und Mieteinkünfte zur Finanzierung des Gesundheitssystems herangezogen werden.
  • Entlastung: Im Gegenzug ist geplant, die klassischen Kassenbeiträge vom Lohn zu senken, um die arbeitende Mitte finanziell zu entlasten.

Reform der Rentenversicherung

Die SPD strebt ein solidarisches Alterssicherungssystem an, das perspektivisch alle Erwerbstätigen umfasst.

  • Einbeziehung neuer Gruppen: Die Rentenversicherungspflicht soll auf Beamte, Selbstständige und Mandatsträger ausgeweitet werden.
  • Niveausicherung: Die Vorlage betont, dass Rentner weiterhin eins zu eins an der Lohnentwicklung teilhaben sollen; eine Koppelung der Renten an die Inflation (wie teils von anderen Parteien gefordert) wird abgelehnt.

Neues Grundsatzprogramm

Die Klausur markiert den offiziellen Beginn der Arbeit an einem neuen Grundsatzprogramm, das das bisherige „Hamburger Programm“ von 2007 ersetzen soll.

  • Anpassung an neue Realitäten: Themen wie der Umgang mit künstlicher Intelligenz, der Klimawandel und die veränderte geopolitische Lage (insbesondere das Verhältnis zu Russland) müssen neu definiert werden.
  • Zeitplan: Das Programm soll im Laufe des Jahres 2027 final verabschiedet werden, rechtzeitig vor der nächsten Bundestagswahl.

Strategische Schwerpunkte

  • Sozialstaat als Schutzschild: Die Co-Vorsitzende Bärbel Bas positioniert die SPD gegen Forderungen nach Sozialkürzungen und betont den Sozialstaat als Stabilitätsfaktor.
  • Außenpolitik: Lars Klingbeil wirbt für ein „Ende des liberalen Zeitalters“ und fordert ein starkes, souveränes Europa, das neue Partnerschaften mit demokratischen Staaten weltweit eingeht.

Zusammengefasst: Die SPD versucht mit dieser Klausur, sich als Schutzmacht des Sozialstaats zu profilieren, während sie gleichzeitig durch die Einbeziehung von Kapitaleinkünften in die Sozialversicherungen eine deutliche Umverteilungskomponente in ihr Profil aufnimmt.

Reaktion der CDU

Sind Bürgergeldempfänger krank, zahlen die Krankenkassen und deren Versicherten, nicht aber der Staat, der den Kassen diese Last aufbürdet. CDU-Gesundheitsministerin Warken will das ändern, wie der „Spiegel“ berichtet.

Sie will, dass beitragsfremde Leistungen – und dazu gehören Leistungen für die Bürgergeldempfänger, die keine Beiträge zahlen – künftig aus dem Bundeshaushalt zu finanzieren sind. Die Bürgergeldempfänger profitieren von den Beiträgen der gesetzlich Krankenversicherten. Insgesamt geht es nach groben Schätzungen um zehn bis elf Milliarden Euro.

Warken unterstützt nun laut „Spiegel“ die Forderungen von CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann, der in der ARD statt einer Zusatzabgabe vorschlug, versicherungsfremde Leistungen zu streichen, etwa die Mitversicherung von Empfängern der Grundsicherung. Warken ist voll auf Linnemanns Linie: „Sein Argument, es sei ungerecht, wenn gesetzlich Versicherte bisher für die Versicherungskosten von Grundsicherungsempfängern jährlich Milliardenbeträge zahlen müssen, trifft in jeder Hinsicht zu“, sagte sie dem „Handelsblatt„.

Beitrag schreiben im Forum