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Jeder melkt das Gesundheitssystem – und so manche Frechheit mehr

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Jeder melkt das Gesundheitssystem. Vorwürfe hüben und drüben, aktuell massiv von den Hausärzten an die Medikamentenhersteller. Die Pharma-Industrie, die im Übrigen jedes Jahr um die 5 % mehr Umsatz macht, hackt auf den Mineralölkonzernen herum – und alle gemeinsam natürlich auf der Politik, der tatsächlich ein peinlicher Fehler unterlaufen: dieser kostet die Gesetzlich Krankenversicherten jährlich nun 550 Millionen Euro mehr – Geld, dass in Sachen Gerechtigkeit viel besser aufgehoben wäre.

Es geht um das Primärversorgungs-System (Hausarztmodell) und um die Gesetzlich Krankenversicherten. Die Einführung dieses Modells, das eigentlich als Reaktion Überlastung der Fachärzte und lange Wartezeiten für Facharzttermine diskutiert wurde, steht im Spannungsfeld zwischen effizienterer Steuerung und neuen Problemen, einschließlich des Risikos finanziellen Missbrauchs. 

Ziele des Primärarztsystems war eigentlich die Entlastung der Facharztpraxen und die Entspannung bei den Terminen

  • Steuerung der Patientenströme: Gesetzlich Versicherte sollen primär den Hausarzt aufsuchen. Dieser koordiniert die Weiterbehandlung, was unnötige Doppeluntersuchungen reduzieren und Fachärzte entlasten sollte.
  • Termingarantie & Effizienz: Die Vorstellung ist, dass koordinierte Überweisungen zu schnelleren und gezielteren Facharztterminen führen. Dies könnte die Wartezeiten für Patienten verkürzen.
  • Entlastung des Gesundheitssystems: Durch die Lotsenfunktion des Hausarztes sollen überlastete Praxen entlastet werden.

Soweit zu den löblichen Ausgangpunkten, doch in der sprichwörtlichen Praxis sieht einiges ganz anders aus, denn es kommt offenbar zu ganz groben finanziellem Missbrauch im System:

  • Das “Geschäftsmodell” Dringlichkeit: Hausärzte kritisieren, dass die Vergabe von “dringlichen Facharztterminen” teils zu einem Geschäftsmodell wird. Das heißt im Klartext: die Facharzt-Praxen verweigern bei Terminanfrage einen schnellstmöglichen Termin, sondern stellen diesen erst in vier bis sechs Monaten in Aussicht, es sei denn, dass der Hausarzt eine Dringlichkeits-Überweisung ausstellt: diese kostet allerdings ein Vielfaches von einem normalen Rezept – laut n-tv und Mannheimer Morgen seien so die Kosten für diesen einzelnen Bereich von jährlich 50 Mio. Euro auf 600 Mio. Euro gestiegen! Gibt es plötzlich so viele akute und dringliche Fälle mehr als früher, oder lassen sich die Facharztpraxen mit diesem Dringlichkeitstrick ganz einfach ein Vielfaches der Behandlungsgebühr bezahlen?

Im Übrigen haben Stichproben ergeben, dass schnelle Termine in Facharztpraxen ganz einfach zu bekommen sind: halt nur von privat Krankenversicherten. Eine doppelte Ungerechtigkeit.

Verbraucherschutzorganisationen stellen diese finanziellen Fehl-Anreize bereits an den Pranger, dass diese Überweisungen aus ökonomischen Gründen statt aufgrund medizinischer Notwendigkeit ausgestellt werden. Die Vergleichs-Summe von 50 zu 600 Mio. Euro unterstreicht diese Annahme nachhaltig.

Im Gegenzug wird von den Mitgliedern des DVG – Vereins der Direktversicherungsgeschädigten ein ungerechtfertigter Obolus von über 19 Prozent Krankenkassen- und Pflegeversicherungsbeiträgen verlangt, die zum Abschluss des Vertrages noch gar nicht vorgesehen waren – erst politisch beschlossen im Dez 2003. „Manchen dürfen eben das Gesundheitssystem nach Herzenslust melken – und manche müssen diese Frechheiten bezahlen“, so DVG-Vorstandmitglied Andreas Reich.

„das ist ein Riesenskandal, der den Stopp der Doppelverbeitragung plus Entschädigung der DVG-Mitglieder in einem Rutsch möglich machen würde.“

 

Text: Thomas Kießling

Redaktion: Andreas Reich

Foto: pixabay/pexels

www.dvg-ev.org

 

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