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Generation Z nimmt Altersvorsorge selbst in die Hand – gelernt von den bitteren Erfahrungen des DVG

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Vor dem Hintergrund von Vertrauensverlust und dem Kampf der Geschädigten im DVG um ihre Ansprüche reagiert die Generation Z (geboren zwischen 1997 und 2012) auf die Unsicherheit der gesetzlichen Rente und der privaten Altersvorsorge mit einem grundlegend anderen Ansatz zur Altersvorsorge als ihre Vorgängergenerationen – das müssen sie auch.

Digital, renditeorientiert und mit ausgeprägter Skepsis gegenüber traditionellen Garantieprodukten. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein für die Problematik der sogenannten „Doppelverbeitragung” bei Direktversicherungen, gegen die sich der Verein der Direktversicherungsgeschädigten (DVG) seit 2015 wehrt.

Die Generation Z: Zwischen Renten-Skepsis und aktivem Handeln

Nahezu ein Drittel der 18- bis 30-Jährigen erwartet im Alter keine gesetzliche Rente mehr. 83 Prozent haben Bedenken hinsichtlich Altersarmut, drei Viertel sorgen sich um das sinkende Rentenniveau. Diese Ängste führen jedoch nicht zu Resignation, sondern zu konkretem Handeln, stellten jüngst Der Spiegel und der Münchner Merkur fest.

  • 55 Prozent der Gen Z, die sparen oder Geld anlegen, tun dies für die Altersvorsorge
  • 45 Prozent sparen regelmäßig per Wertpapiersparplan – im Durchschnitt etwa 350 Euro pro Monat
  • 88 Prozent dieser Einzahlungen fließen in börsengehandelte Indexfonds (ETFs)
  • 64 Prozent der unter 35-Jährigen planen in den nächsten Jahren konkrete Schritte zur Altersvorsorge

Besonders bemerkenswert: Jeder vierte Teilnehmer im Alter von 18 bis 34 Jahren ist bereit, mehr als 240 Euro monatlich für die Altersvorsorge zurückzulegen – ein Betrag, der viele bisherige staatliche Fördermodelle übersteigt.

Digital, flexibel, renditeorientiert

Eine Studie der KPMG namens „Generation ETF” zeigt: Jüngere Menschen legen keinen Wert mehr auf teure Garantiezusagen. Lediglich 46 Prozent möchten ihr eingezahltes Kapital vollständig gesichert wissen. Stattdessen gewinnen Renditechancen, niedrige Kosten und flexible Vorsorgemöglichkeiten stark an Bedeutung.

„Viele junge Menschen denken heute ganz anders über Altersvorsorge als frühere Generationen. Sie möchten mehr Kontrolle darüber, wie ihr Geld angelegt wird, und erwarten gleichzeitig einfache digitale Lösungen”, erklärt ein KPMG-Partner.

Der DVG: Ein Verein kämpft für Gerechtigkeit

Während die Gen Z ihre Vorsorge selbst organisiert, kämpfen ältere Generationen mit den Folgen veränderter Spielregeln. Im Oktober 2015 gründeten mehr als 40 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Hofheim am Taunus den Verein DVG e.V.. Das Motto des DVG: Viele Stimmen – ein Ziel: faire Altersvorsorge. Aus den ursprünglichen 40 Mitgliedern sind mittlerweile annähernd 3.000 Mitglieder geworden. Der Verein warnt zunehmend junge Menschen vor den Fallen der betrieblichen Altersvorsorge.

Das Problem: Die Doppelverbeitragung

Betroffen sind nach jüngsten Schätzungen etwa sechs Millionen Menschen in Deutschland, deren Direktversicherungen und Betriebsrenten seit dem 2004 eingeführten GKV-Modernisierungsgesetz (GMG) mit vollen Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung belastet werden. Das bedeutet: Mehr als 20 Prozent Verlust auf das angesparte Kapital.

Ein betroffenes DVG-Mitglied aus München beschreibt sein Erlebnis: Bei seinem Renteneintritt 2015 wollte er sich seine Direktversicherung auszahlen lassen. Rund 30.000 Euro hatte er eingezahlt, aufgrund niedriger Zinsen hätte er 31.500 Euro ausgezahlt bekommen. Die Krankenkasse forderte jedoch 6.000 Euro als Beitrag zur Kranken- und Pflegeversicherung. „Hätte ich das im Vorfeld gewusst, hätte ich etwas anderes abgeschlossen”, sagt das Mitglied. „Mein Vertrauen in die Politik ist dadurch komplett verloren gegangen.”

Die Forderungen des DVG

Der Verein fordert:

  • Sofortigen Stopp der Mehrfachverbeitragung
  • Entschädigung der durch das GMG rückwirkend Benachteiligten
  • Aufhebung der rückwirkend beschlossenen Beitragspflicht zur Kranken- und Pflegeversicherung von Kapitalzahlungen aus Direktversicherungen, die vor 2004 rechtsverbindlich abgeschlossen wurden

Michael Kröner, Vorstandsmitglied des: „Wir kamen zu der Erkenntnis, dass wir nur als schlagkräftiger Verein mit möglichst vielen Mitgliedern und einer klaren Strategie zum Erfolg kommen können.” Und weiter: „Ex-Bundeskanzler Olaf Scholz hatte uns in einer hochoffiziellen Bundestagsfragestunde Abhilfe zugesagt – aber nicht eingehalten. Die neue GroKo ist mit ihren eigenen Problemen so beschäftigt, die sie sich übrigens nahezu alle selber eingebrockt hat – viel besser wäre es, die Probleme zu lösen, für die sie zuständig ist – zum Beispiel unsere.“

Parallelen zwischen Gen Z und DVG: Vertrauensverlust als Motor

Beide Phänomene – die selbstorganisierte Altersvorsorge der Gen Z und der Widerstand der Direktversicherungsgeschädigten – haben eine gemeinsame Wurzel: tiefes Misstrauen gegenüber staatlichen Versprechen und traditionellen Vorsorgesystemen.

Die Gen Z reagiert präventiv: Sie gestaltet ihre Vorsorge unabhängig vom Staat, setzt auf digitale Lösungen, ETFs und behält die Kontrolle über ihre Geldanlage. Der DVG kämpft für viele gegen das, was Betroffene als „stille Falle” der betrieblichen Altersvorsorge bezeichnen.

Besonders relevant für die junge Generation: Der DVG warnt explizit junge Menschen davor, in die „stille Falle” der betrieblichen Altersvorsorge zu tappen und um mehr als 20 Prozent ihres Kapitals enteignet zu werden. Diese Warnung findet in einer Generation Gehör, die ohnehin skeptisch gegenüber staatlich geförderten Vorsorgemodellen ist.

Fazit: Zwei Generationen, ein gemeinsames Lernen

Die Generation Z zeigt, dass sie aus den Fehlern der Vergangenheit lernt: Sie verlässt sich nicht auf staatliche Garantien, sondern nimmt ihre Altersvorsorge selbst in die Hand – digital, flexibel und mit klarem Fokus auf Rendite und Kontrolle. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein dafür, dass politische Versprechen im Bereich der Altersvorsorge brüchig sein können – eine Erkenntnis, für die der DVG seit über einem Jahrzehnt kämpft.

Für die junge Generation bedeutet dies: Vorsorge ist wichtig, aber die Wahl der richtigen Instrumente und das Verständnis der langfristigen Konsequenzen sind entscheidend. Der Kampf des DVG  dient dabei als Mahnmal dafür, was passieren kann, wenn die Spielregeln – und sogar die gesetzlich legitimierten Verträge – nachträglich geändert werden. Der Begriff „Pacta sunt servanda“ – Verträge sind einzuhalten – gilt offenbar nichts mehr.

www.dvg-ev.org

 

Text: Thomas Kießling

Foto: pexels.com

Redaktion: Michael Kröner

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