Rente mit 70

Müssen die Jungen künftig bis 70 arbeiten und 24 Prozent Rentenbeiträge zahlen? Die Bundesbank meint, dass wir langfristig nicht umhin können, die doppelte Haltelinie der gegenwärtigen großen Koalition zu überdenken. Die Rente mit 70 – keine Utopie.

Momentan noch gilt das Versprechen der doppelten Haltelinie: Das Rentenniveau der gesetzlichen Rente darf bis 2025 nicht unter 48 Prozent fallen und die Rentenbeiträge nicht über 20 Prozent steigen. Das mag bis 2025 funktionieren, danach allerdings nicht mehr. Ab 2025 geht die geburtenstarken Babyboomer-Generation in Rente – und das sind ganz viele. Der Jahrgang 1964 war mit 1,36 Millionen „Lebendgeborenen“ der stärkste überhaupt. Die Welle ebbte erst Ende der 60er-Jahre ab.

Rente mit 70

Das Rentensystem muss dringend reformiert werden. Eine Analyse der Deutschen Bundesbank zeigt klar auf, dass die Stellschraube „Rentenalter“ nicht länger tabu sein darf. Parallel dazu muss die betriebliche und private Altersvorsorge gestärkt werden. Zurzeit macht die Bundesregierung leider genau das Gegenteil, in dem sie alle schröpft, die privat oder betrieblich fürs Alter vorsorgen.

Ab 2025 fällt Haltelinie

Sollte es in nächster Zeit zu keinen Reformen und nicht zu einer Stärkung der betrieblichen und privaten Altersvorsorge kommen, „droht die gesetzliche Rente der „Welt“ zufolge „in einen finanziellen Abgrund zu schlittern“. Das Fazit der Experten: Nur eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters könne verhindern, dass die Rentenfinanzierung völlig aus dem Ruder läuft.

Wenn ab 2025 die doppelte Haltelinie fällt, dann geht es beim Rentenniveau weiter bergab und beim Rentenbeitrag weiter bergauf. Die Bundesbank sieht den  Beitragssatz bis Mitte der 30er-Jahre von derzeit 18,5 bis 19 Prozent (je nach Kasse)  der Deutschen Bundesbank zufolge auf rund 24 Prozent steigen müssen, bis 2070 sogar auf etwa 26 Prozent. Schlecht für die Arbeitnehmer, denn ihnen bleibt weniger netto vom Brutto. Dabei ist Deutschland heute schon das Land mit den zweithöchsten Abzügen.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen fordert eine grundlegende Reform der Altersvorsorge. Denn Die Riester-Rente ist Murks; die betriebliche Altersvorsorge wird wegen doppelter Krankenkassenbeiträge zum Minus-Geschäft für die Arbeitnehmer. Der Verband schlägt ein einfaches, kostengünstiges und renditestarkes Standardprodukt nach schwedischem Vorbild vor.